Sonntag, 5. Februar 2017

LIMBO - Kritik (2017)

Trivia

Originaltitel: LIMBO
Genre: Indie, Platformer, Puzzle
Entwickler: Playdead Studios
Publisher: Headup Games, Merge Games, Microsoft Game Studios, Playdead Studios
Erstveröffentlichung: Juli 2010
Verfügbare Plattformen: PC. PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One
Gespielte Plattform: PC
Spielzeit: 4,8 Stunden
Spielmodus: Einzelspieler
Preis: 9,99€
Altersfreigabe: ab 16 Jahre

Offizielle Website: bit.ly/LIMBOOfficial
Steam-Website: bit.ly/LIMBOSteam
Trailer: bit.ly/LIMBOTrailer

Kurzinhalt:

Ungewiss über das Schicksal seiner Schwester, betritt ein Junge LIMBO.

Meine Erfahrung im Bereich Platformer

Zugegeben, was meine Erfahrungen in Platformer/Puzzles anbelangt, bin ich darin praktisch ein blutiger Anfänger. Klar, ich bin zwar mit Super Mario, etc. aufgewachsen, doch als ich das letzte Mal intensiv ein Jump n' Run gespielt habe, ist das schon eine gefühlte Ewigkeit her. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, dass das letzte Spiel dieser Art New Super Mario Bros. U war. Auf LIMBO bin ich zufällig mal im Steam-Shop gestoßen, als es gerade im Angebot war. Dennoch habe ich es mir nicht gekauft. Bei der damaligen begrenzten Aktion, wo man das Spiel umsonst bekam, habe ich es mir geholt und in meine Steam-Bibliothek aufgenommen. Seither dümpelte es auf meiner Festplatte rum, ohne dass ich es jemals anrührte. Bis jetzt. Doch bevor ich nun mit der eigentlichen Kritik beginnen möchte, will ich noch einen kleinen Abstecher ins Themengebiet der Religionen tätigen.

Was bedeutet "LIMBO" überhaupt?

Um das jetzt schon klarzustellen: Ja, dass was in dem Kurzinhalt steht, ist die ganze Story von LIMBO. Aber darauf möchte ich mich später nochmal beziehen. Jetzt nehme ich erstmal Bezug auf das Ganze drum herum. Auf die Spielwelt. Das Wort "LIMBO" leitet sich aus der lateinischen Sprache ab, was so viel bedeutet wie "Rand", "Saum" oder "Umgrenzung". In der katholischen Theologie bezieht sich das Wort auf zwei Orte, die sich irgendwo am Rande der Hölle befinden, auch "Vorhölle" genannt. In dieser "Vorhölle" halten sich Seelen auf, die ohne Selbstverschulden vom Himmel ausgeschlossen wurden. Darunter zählen Menschen, die vor Jesus Christus geboren wurden, wie zum Beispiel Abraham oder Mose, oder Kinder, die ungetauft sterben. Denn die Taufe steht sinnbildlich für das Seelenheil und der Erlösung, und ist die Grundvoraussetzung, sofern man dem Christentum Glauben schenken mag, um in den Himmel zu gelangen. Ein biblisches Fundament hat der Limbus jedoch nicht. Deshalb wird dieser Ort auch nicht als Dogma der katholischen Kirche angesehen, sondern als theologische Spekulation. Seit dem Jahr 2007 wird die Lehre des Limbus vom kirchlichen Lehramt nicht mehr unterstützt.

In einer düsteren, gottverlassenen Welt

Wie man also merkt, hat sich Playdead Studios wahrlich Gedanken um ihre Spielwelt gemacht und damit mehr Tiefgang erzeugt, als manch' ein großer AAA-Titel. Doch muss ich hier noch einen Schritt weitergehen: die visuelle Darstellung der Vorhölle ist beklemmend, verloren, gnadenlos und düster. Es gibt keinerlei Farbtöne, sondern es wird alles in Schwarz-Weiß und ein paar Graustufen dargestellt. Die Hintergründe sind allesamt wunderschön gezeichnet und fügen sich nahtlos in die Spielwelt ein. Wenn man diese noch ein bisschen genauer betrachtet, bemerkt man auch, dass die Entwickler versucht haben visuelles Storytelling zu betreiben. Denn darin werden immer wieder ein paar Hinweise gestreut, wie der kleine Junge überhaupt in LIMBO landete. Dazu muss man aber wirklich aufmerksam sein und nicht nur ein Auge auf die ganzen Rätsel haben. Desweiteren werden alle Animationen butterweich dargestellt, und nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass etwas abgeschnitten oder abgehackt wirkt. Egal ob nun schnelle oder langsame Bewegungen gemeint sind, wirklich alle sehen flüssig und hochwertig animiert aus. Ein ganz großer Pluspunkt des Spiels ist die unheimlich dichte Atmosphäre, die einen richtig in den Bann zieht und nicht mehr so einfach loslässt. Denn daran sind nicht nur die visuelle Darstellung und das Setting beteiligt, sondern viel mehr ist darunter der Sound ausschlaggebend. Musikalisch untermalt wird das Spiel kaum, da der Score nur subtil und in geringen Mengen eingesetzt wird. Man fokussierte sich viel mehr auf den unglaublich detailreichen Klangteppich, der es wirklich in sich hat. Die Gräser rascheln wenn man durchläuft, die Bäume knarzen richtig in den Ohren, das Wasser plätschert vor sich hin und vor allem dröhnt es immer wieder richtig im Untergrund, wenn man in Levels angekommen ist, wo vor allem technische Geräte zum Einsatz kommen und diese ihre Arbeit erledigen. Nicht selten habe ich mich dabei erwischt, wie sehr ich auf den Sound mit seinem liebevollen Detailreichtum geachtet habe. Ebenfalls erwähnenswert bei der Atmosphäre ist das gelungene Lichtspiel mit der Sonne und den künstlichen Lichtquellen, die immer wieder im Spiel ihren Platz finden. Zusätzlich kommen hier und da mal ein paar Effekte zum Vorschein, die sich aber nicht großartig aufspielen, sondern mit einer gewissen Subtilität eingebaut wurden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Spiels sind seine Rätsel. Mithilfe einer glaubwürdigen und authentischen Physik müssen eine Vielzahl an Rätseln gelöst werden. Dabei sind diese aber stets logisch und fair gehalten. Der Schwierigkeitsgrad gestaltet sich anfangs noch als simpel und steigt im Laufe des Spiels an. Während man anfangs noch über Bärenfallen springt, muss man im späteren Verlauf des Spiels Kisten verschieben, Rätsel mit Gravitation und Elektrizität oder einer Gefahr bewältigen. Die Leistungskurve ist damit konstant und in einem angenehmen Tempo verpackt. Schwieriger wirds' für Leute, die eine geringe Frustgrenze besitzen. Denn das Spiels ist gnadenlos und verzeiht keine Fehler, weshalb es oftmals zum Tod kommt. Diese werden stets brutal dargestellt, wodurch auch die ab 16er Altersfreigabe berechtigt ist. Doch dafür besitzt LIMBO faire Checkpoints, da das Spiel nach jedem Level automatisch gespeichert wird. Genauso fair ist auch die Steuerung, die wirklich einsteigerfreundlich gehalten ist und mit einem übersichtlichen Menü glänzt, das einem simplen Aufbau folgt. Schade ist nur, dass die Steuerung im Spiel nicht veränderbar ist, sondern man erst in die Datei settings.txt gehen muss, um diese zu editieren.

Das Storygerüst von LIMBO hingegen, welches wirklich interessant klingt, hätte so viel besser sein können. Bedauerlicherweise besitzt das Spiel eine unglaublich dünne Handlung, was man schon am Kurzinhalt erkennen kann. Hier wäre definitiv mehr Potenzial vorhanden gewesen, welches man besser hätte nutzen können. Außerdem bietet LIMBO kaum Wiederspielwert, weil die Story einfach nicht vielschichtig ist und die Rätsel allesamt nur einen einzigen Lösungsweg besitzen. Desweiteren ist mir die Figur nach dem Spiel vollkommen egal gewesen und hat mich komplett kalt gelassen, da weder Charaktereigenschaften vorhanden sind, noch ein Aufbau der Figur zu erkennen ist. Damit blieb die Figur über das gesamte Spiel hinweg blass und eindimensional. Zumindest führten die Entwickler das Spiel zu einem befriedigenden Ende, welches Raum für Interpretationen lässt und nicht umsonst für unzählige Theorien und eine Menge Diskussionsstoff sorgte.

Fazit

LIMBO ist ein kleiner Nischentitel, der sich wirklich lohnt, mal näher zu betrachten. Das Spiel besticht durch ein einzigartiges Artdesign und einer dichten und düsteren Atmosphäre. 9,99€ sind für dieses Spiel absolut berechtigt, auch wenn es nur drei bis vier Stunden dauert. Außerdem kann sich wirklich jeder diese drei bis vier Stunden Zeit nehmen, um dieses kleine Abenteuer zu genießen. Für Leute mit einer geringen Frusttoleranz, die kein sonderlich hohes Interesse an Rätseln besitzen oder mitreißende Geschichten mit vielschichtigen Figuren erleben möchten, sind bei diesem Spiel definitiv falsch. Wer jedoch die 9,99€ investiert, wird eine kleine Indieperle erleben, die man nicht alltäglich zu Gesicht bekommt.

Wertung: 7/10 Punkte